Was haben Verspannungen und körperliche Schmerzen mit gestauten Emotionen zu tun?

Schmerz

Durch meine Ausbildung im Somatic Expierence bin ich noch mehr in der Körperwahrnehmung geschult worden und habe selbst einen erweiterten neuen Zugang zu meinem Körper kennen gelernt.
Denn „Du bist was du isst“ kann ebenso auf den Körper umgemünzt werden – „Dein Körper zeigt was du mit ihm tust.“

In der TCM habe ich ua gelernt, dass körperliche Symptome oder Beschwerden ein Resultat aus dem sind, wie wir mit unserem Körper umgehen. Befüllen wir täglich unsere Batterien oder betreiben wir Raubbau.
Kümmern wir uns um unser Haus (Körper). Halten wir die Gemäuer schön fest und stabil? Schauen wir, dass es trocken bleibt und nicht rein regnet? Wird es ordentlich gelüftet oder befindet sich Schimmel drin? Funktionieren alle elektrischen Leitungen und Abflussrohre?
Wenn wir uns nicht darum kümmern, dann verkümmert unser Haus und ein Schaden bringt den nächsten mit sich.
Keine Maschine und kein Gerät der Welt funktioniert ein Leben lange anstandslos und einwandfrei ohne, dass man sich darum kümmert und es hegt und pflegt. Auch unser Körper will regelmäßig gehegt und gepflegt werden und nicht nur täglich versorgt und gewaschen werden. Unser Körper ist lebendig und braucht Bewegung, gut verarbeitbares Essen, nahrhafte Beziehungen und ebenso frei fließende Emotionen und Gefühle.

Um die kümmern sich die meisten ganz wenig bis gar nicht. Denn nirgends wird uns gelehrt, dass wir ganzheitlich gut auf uns schauen müssen. Überall wird von gesundem Essen gesprochen, von regelmäßiger Bewegung doch nirgends davon sich um seine emotionale Welt zu kümmern.
In unserer Leistungsorientierten Gesellschaft geht es sehr viel ums Funktionieren, ums machen und schaffen. Viel weniger ums sein.

In der Praxis treffen ich auf viele unterschiedliche Menschen. Und alle haben etwas gemeinsam: ZwickZwacks im Körper. Bei dem einen ist es eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, beim anderen eine Allergie. Beim nächsten sind es Verdauungsbeschwerden oder Sodbrennen. Bei anderen sind es Verspannungen und Kopfschmerzen. Schlafstörungen, Energielosigkeit, Nervenschmerzen, Bauchschmerzen, Unruhe, Bluthochdruck, Zahnfleischentzündungen, ständiges Kranksein, bis hin zu Krankheiten wie MS und Krebs und und und…
Ich kenn keinen, der nicht irgendetwas hat. Manche leiden mehr, manche weniger.

In allen Fällen spricht der Körper mit ihnen in Form von Symptomen.

Wisst ihr was alle die Menschen ebenso gleich haben? Sie fühlen sich in irgendeinem Bereich unwohl. Sei es im Job, in der Partnerschaft, in Beziehung mit den Eltern, mit sich selbst, allgemeine Unzufriedenheit, ängstlich, mutlos, unglücklich, nervös und angespannt, schlaflos, gestresst, und und und…

Ich habe mich daraufhin mit einem Physiotherapeuten Paul Suppersberger aus Linz unterhalten und ihn gefragt, was ihm bei all seinen Klienten auffällt. Denn zu ihm kommen Klienten ausschließlich mit körperlichen Schmerzen und Beschwerden.

Welche Beschwerden häufen sich bei dir in der Praxis?
Schulter- Nacken Syndrom, Atemblockaden (Zwerchfell, Scaleni usw.), Frozen shoulder, Lumbalgie, Longcovid, Herzrythmusstörungen, Befindlichkeitsstörungen usw.

Du verbringst mit deinen Klienten regelmäßig Zeit und ihr werdet dabei bestimmt auch miteinander über das Leben sprechen? Was fällt dir dabei auf?
Die Unsicherheiten sind eindeutig größer geworden, sowohl bei den Firmen als auch bei den Arbeitnehmern. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, vor der sich kaum jemand entziehen kann. Es ist für viele schwierig geworden, sich anzupassen und sich in der Unsicherheit wohl zu fühlen. Kein Wunder bei dem aktuellen Mix aus Covid, Covid- Maßnahmen, Inflation, Ukrainekrieg usw. und der negativen Berichterstattung darüber.

Kannst du einen Zusammenhang zwischen bestimmten körperlichen Beschwerden und emotionaler Belastung erkennen?
Zwei Emotionen beobachte ich aktuell besonders häufig. Angst und Wut. Die unsichere Gemengenlage kann leicht zu Ängsten führen, teilweise zu Existenzängsten. Jeder Mensch reagiert körperlich ein bisschen anders auf Ängste, aber ich denke, dass sie sehr häufig zu Nackenverspannungen (Schultern werden hochgezogen) und zu Spannungen in der Atemmuskulatur (Atem wird angehalten oder flachere Atmung) führen.

Die Emotion Wut richtet sich nach außen. Man erhält den Eindruck, dass es immer mehr Wutbürger gibt. Die Emotion Wut zeigt sich häufig in Form von erhöhter Spannung im Kiefer (z. B. Kaumuskulatur) bzw. in den Membranen (Unterschenkel und Unterarm). Die Spannung in den Membranen ist dann häufig ein Grund für hohen Blutdruck (erhöhter arterieller peripherer Widerstand). Solche Spannungen werden in der Schulmedizin häufig nicht erkannt bzw. beachtet (es gibt noch wenig adäquate digitale Messmethoden). Es treten kaum Beschwerden auf, die nicht mit erhöhter Spannung im Zusammenhang stehen. Die Spannungen befinden sich immer im Bindegewebs-Muskelsystem. Diese Spannungen stellen die Ursache für beinahe alle Probleme dar. Da das Konzept der Spannung meistens nicht berücksichtigt wird, kommt es häufig nur zu Symptombehandlungen und nach einiger Zeit melden sich die Beschwerden zurück.

Die Spannungszustände sind auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen (Fehlbelastungen, Bewegungsmangel, Stress usw.), aber gerade die psychische Anspannung ist häufig ein Grund für körperliche Spannung.

Es ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, dass jede Art von Stress (emotional, beruflich, Zeitdruck usw.) die Spannung im Bindegewebe erhöht.

Wenn du den Körper berührst und erforscht was er braucht oder wo es „zwickt“, was bemerkst du dabei?
Die Spannung ist immer in den Weichteilen (Knochenhaut, Bänder, Sehnen, Faszien, Muskulatur). Also in der „Software“. Röntgen, CT bzw. MRT bilden immer nur die „Hardware“ ab. Z.B. Knochen, Knorpel, Menisci usw. Die einfachste Methode Spannung zu messen, ist die Berührung. Mit ein bisschen Erfahrung ist es möglich, dass die Finger dem Gehirn ein gewisses Spannungsbild melden. Dieses Bild kann verschiedene Formen annehmen. Z.B. länglich (erinnert an einen Stahlträger), ringförmig (quer über mehrere Muskelgruppen – zum Beispiel im Hals – diese Spannung kann zum Beispiel ein Gefühl des Würgens auslösen), punktuell (Hügel, Kugel, …). Diese Spannungsstrukturen können oft in Körperbereichen auftreten, wo man sie nicht unbedingt erwarten würde (z.B. in der Knochenhaut, in den Organhüllen, in der Tiefe des Bauchraumes, wie zum Beispiel in der Psoasfaszie, in den Membranen usw.)

Wenn du mit deinen Klienten an deren körperlichen Ursachen arbeitest und eine Verbesserung eintritt – wie verändern sich die Menschen dabei gesamt? Kannst du eine Verbesserung im Gemütszustand oder gar ein Lebensveränderung erkennen?
Bei der Besserung der  Symptome passiert meistens eine Persönlichkeitsveränderung in Richtung mehr Vertrauen. Vertrauen in den Körper, Vertrauen in die eigene Person. Häufig sekundär auch mehr Vertrauen ins Leben. Der Körper fühlt sich meistens freier und leichter an, dies wird als angenehm empfunden. Umso besser die Körperwahrnehmung ist, desto schneller ist der Therapiefortschritt. Sowohl beim Thema Selbstwahrnehmung als auch beim  Thema Vertrauen zeigt sich die enorme Bedeutung von SE (Somatic Expierence) in deiner Arbeit. Ich denke, dass die Kombination von Faszienarbeit und SE ideal ist.

Was empfiehlst du bei körperlichen Anspannungen?
Die meisten Leute in unseren Breitengraden brauchen vor allem Entspannung und Regeneration.

 

Ich persönlich empfehle eine ganzheitliche Unterstützung. Von Außen den Körper bewegen und ins Gleichgewicht bringen, von innen mit den richtigen Nahrungsmitteln sowie der Begutachtung von versteckten gestauten Emotionen/ Energien im Körper.

Es ist wichtig das gesamte System wieder ins Fließen zu bringen!